Start unseres ersten Mentoren-Trainings
In den ersten Jahren von TRIGG wurde uns eine wichtige Erkenntnis immer deutlicher: Nicht nur Geflüchtete benötigen Unterstützung, sondern auch die Menschen, die sie begleiten.
Viele Ehrenamtliche leisten Großartiges. Sie sind oft die ersten Ansprechpartner*innen, begleiten Behördengänge, hören zu, stehen in Krisen zur Seite und schaffen wichtige Brücken in die Gesellschaft. Gleichzeitig erleben viele von ihnen hohe emotionale Belastungen. Ohne ausreichende Unterstützung und Möglichkeiten zur Abgrenzung besteht die Gefahr, dass sie selbst an ihre Grenzen geraten oder ihr Engagement ganz aufgeben müssen.
Dabei sind engagierte Ehrenamtliche ein unverzichtbarer Bestandteil gelingender Integration und psychosozialer Unterstützung. Forschungsergebnisse der Psychologen Richard Tedeschi und Lawrence Calhoun zeigen zudem, dass unterstützende Begleitpersonen – sogenannte Expert Companions – einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen und sogar zu posttraumatischem Wachstum leisten können.
Für uns war deshalb klar: Wenn wir Geflüchtete nachhaltig unterstützen wollen, müssen wir auch die Ehrenamtlichen stärken.
Um dieses Vorhaben umzusetzen, beteiligten wir uns am Crowdfunding-Contest der Hertie-Stiftung. Dank der Unterstützung zahlreicher Menschen konnten wir über 16.000 Euro für die Entwicklung und Durchführung eines Mentoren-Trainings einwerben. Damit war der Grundstein für ein neues Angebot gelegt.
Am 18. Juli 2022 startete schließlich das erste Mentoren-Training. Zum Auftakt konnten wir die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Stephanie Hinum als Referentin gewinnen. In einem dreistündigen Workshop vermittelte sie grundlegendes Wissen über Traumata, deren Entstehung und Auswirkungen sowie praktische Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit traumatisierten Menschen.
Der Workshop bot den Teilnehmenden nicht nur fachliche Informationen, sondern auch Raum für Fragen, Austausch und Reflexion. Die positive Resonanz bestätigte uns darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Auf diesen gelungenen Auftakt folgten elf weitere Workshops, in denen Themen wie Traumapädagogik, Selbstfürsorge, Krisenintervention, Kommunikation und Abgrenzung vertieft wurden. Im Dezember 2022 schlossen die Teilnehmenden das Training erfolgreich ab.
Mit dem Mentoren-Training entstand ein wichtiger Baustein unserer Arbeit: ein Netzwerk engagierter Ehrenamtlicher, die Geflüchtete kompetent begleiten können und dabei selbst Unterstützung, Weiterbildung und professionelle Anbindung erhalten.
Denn gute Hilfe beginnt oft damit, diejenigen zu stärken, die anderen helfen.