Menschen stärken, die andere stärken

Haupt- und Ehrenamtliche leisten Außergewöhnliches. Gerade im Kontext von Flucht, Migration und sozialer Arbeit sind sie oft wichtige Bezugspersonen für Menschen, die belastende Erfahrungen gemacht haben, Orientierung suchen oder Unterstützung im Alltag brauchen.

Doch diese Aufgabe kann auch herausfordernd sein. Viele Engagierte begegnen schweren Schicksalen, Unsicherheit, psychischer Belastung oder akuten Krisen. Gleichzeitig fehlen vielerorts praxisnahe Trainings, die auf die realen Situationen in der Begleitung geflüchteter Menschen vorbereiten.

Unser dreimonatiges Mentoren-Training setzt genau hier an. Es stärkt angehende Mentor*innen in ihrer Rolle und vermittelt das nötige Wissen, um Geflüchtete traumasensibel, verantwortungsvoll und auf Augenhöhe zu begleiten, immer im Bewusstsein der eigenen Grenzen und im Dialog mit professionellen Fachkräften.

Worum es im Training geht

In 12 praxisnahen Modulen beschäftigen sich die Teilnehmenden mit zentralen Themen der psychosozialen Begleitung: Resilienz, Selbstfürsorge, Abgrenzung, Grundlagen der Traumapädagogik, Stabilisierungstechniken, gewaltfreie Kommunikation, Krisenintervention, Kultursensibilität und Zusammenarbeit mit Sprachmittlung.

Dabei steht nicht nur Wissensvermittlung im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden bringen ihre eigenen Fragen, Erfahrungen und Unsicherheiten ein. So entsteht ein geschützter Lernraum, in dem kollegialer Austausch, Selbsterfahrung und konkrete Handlungskompetenz miteinander verbunden werden.

Unser Ansatz ist praxisorientiert und interaktiv: keine trockenen PowerPoint-Vorträge, sondern lebendige Übungen, Reflexion und Methoden, die im Engagement direkt spürbar und anwendbar werden. Denn was Menschen selbst erfahren, bleibt nicht nur im Kopf, sondern wirkt langfristig im Handeln.

Für wen ist das Training geeignet?

Das Mentoren-Training richtet sich vor allem an Ehrenamtliche, die in TRIGG-Gruppen aktiv sind oder werden möchten. Es ist ein wichtiger Baustein zur Qualitätssicherung, zur Verbreitung unseres Ansatzes und zur Stärkung tragfähiger Unterstützungsstrukturen.

Gleichzeitig ist das Training modular aufgebaut und kann auch ohne direkte TRIGG-Anbindung durchgeführt werden. Organisationen, Initiativen, Kommunen oder Projekte können einzelne Module oder Kombinationen daraus buchen und an ihre jeweiligen Bedarfe anpassen.

Was das Training auszeichnet

Unsere Weiterbildungen basieren auf langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen, Geflüchteten und Ehrenamtlichen, insbesondere aus dem TRIGG-Programm. Wir verbinden traumapädagogisches Wissen, systemische Perspektiven, körperorientierte Methoden und einen kultursensiblen Blick auf die Lebensrealitäten der Menschen.

Dabei geht es nicht darum, Ehrenamtliche zu Therapeut*innen auszubilden. Vielmehr lernen die Teilnehmenden, ihre Rolle klarer zu verstehen, stabilisierend zu handeln, Risiken besser einzuschätzen und sich selbst gut zu schützen. So können sie verlässlich unterstützen, ohne sich selbst zu überfordern.

Mentoring bedeutet für uns: präsent sein, ohne alles lösen zu müssen. Verantwortung übernehmen, ohne allein verantwortlich zu sein. Menschen begleiten, ohne die eigenen Grenzen zu verlieren.

Aufbau und Umfang

Das Mentoren-Training umfasst 12 Module mit insgesamt 36 Stunden. Die Module können als vollständige Weiterbildung oder einzeln beziehungsweise in Kombination gebucht werden.

Die 12 Module des Mentoren-Trainings

Modul 1: Kennenlernen & Team-Building

Zu Beginn schaffen wir einen sicheren Rahmen für die gemeinsame Arbeit. Die Teilnehmenden lernen sich kennen, entwickeln Vertrauen in die Gruppe und setzen sich mit den Grundlagen einer tragfähigen Mentoring-Haltung auseinander.

Modul 2: Persönliche Ressourcen, theoretische und praktische TRIGG-Grundlagen

In diesem Modul geht es um die eigenen Ressourcen als Grundlage für verlässliche Begleitung. Die Teilnehmenden erhalten außerdem einen Einblick in die Entstehung, Haltung und Arbeitsweise von TRIGG.

Modul 3: Abgrenzung & Umgang mit fehlender Struktur, Resilienz

Viele Begleitungssituationen sind unübersichtlich, emotional und organisatorisch herausfordernd. Die Teilnehmenden lernen, wie sie in unsicheren Situationen Orientierung behalten, sich gesund abgrenzen und ihre eigene Resilienz stärken können.

Modul 4: Theoretisches zu Traumata und Stabilisierungstechniken

Dieses Modul vermittelt grundlegendes Wissen darüber, wie Trauma wirken kann und welche Folgen es im Alltag haben kann. Ergänzend lernen die Teilnehmenden einfache Stabilisierungstechniken kennen, die helfen können, Überforderung zu reduzieren und Sicherheit zu fördern.

Modul 5: Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Nein-Sagen, konstruktiver Dialog

Mentoring lebt von Beziehung, Respekt und Klarheit. Die Teilnehmenden üben, wie sie wertschätzend kommunizieren, Grenzen setzen und auch schwierige Gespräche konstruktiv führen können.

Modul 6: Meine persönliche Motivation, Krisenintervention

Wer andere begleitet, sollte die eigene Motivation gut kennen. In diesem Modul reflektieren die Teilnehmenden ihre Beweggründe und lernen erste Grundlagen, wie sie in Krisensituationen ruhig, strukturiert und verantwortungsvoll handeln können.

Modul 7: Erlernte Hilflosigkeit, Ohnmacht, Arbeit mit Sprachmittlung

Geflüchtete Menschen erleben häufig Situationen, in denen sie wenig Kontrolle über ihr eigenes Leben haben. Die Teilnehmenden setzen sich mit Ohnmacht, erlernter Hilflosigkeit und der besonderen Dynamik von Gesprächen mit Sprachmittlung auseinander.

Modul 8: Persönliche Haltung, Krisen und Krisenprävention

In diesem Modul steht die innere Haltung der Mentor*innen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden lernen, wie eine klare, ruhige und ressourcenorientierte Haltung dazu beitragen kann, Krisen vorzubeugen und Beziehungen stabil zu halten.

Modul 9: Krisen und Notfallsituationen, der Notfallkoffer

Hier geht es um konkrete Handlungsfähigkeit in akuten Situationen. Die Teilnehmenden lernen, wie sie Notfälle besser einschätzen, Verantwortung abgeben und praktische Hilfsmittel wie den Notfallkoffer einsetzen können.

Modul 10: Selbstfürsorge und Umgang mit persönlicher Belastung

Begleitung kann emotional belasten, besonders wenn schwere Schicksale, Rückschläge oder Ohnmacht miterlebt werden. Dieses Modul stärkt die Fähigkeit, eigene Belastungsgrenzen wahrzunehmen, sich zu entlasten und langfristig gesund engagiert zu bleiben.

Modul 11: Kultursensibilität & interkulturelle Kommunikation

Die Teilnehmenden reflektieren eigene Prägungen, Erwartungen und Missverständnisse in interkulturellen Begegnungen. Ziel ist eine Kommunikation, die Unterschiede ernst nimmt, ohne Menschen auf Herkunft oder Kultur zu reduzieren.

Modul 12: Wertschätzung und Abschluss

Zum Abschluss werden Lernerfahrungen gebündelt, offene Fragen geklärt und persönliche Entwicklungsschritte sichtbar gemacht. Die Teilnehmenden würdigen den gemeinsamen Prozess und nehmen konkrete Impulse für ihre weitere Mentor*innen-Rolle mit.